Fotobuch? Früher sagte man Album dazu
Auf goldenen Hochzeiten und runden Geburtstagen werden sie herum gereicht.
Fotoalben. Sie sind klobig wie Backsteine und haben nur ein Viertel der Seiten,
wie der Umfang verspricht. Mit spitzen Fingern schlägt der Betrachter die Pappe
der Seiten um. Die Flache Handkante streicht das Pergament glatt, das den
Eindruck macht, schon vom scharfen Hinsehen zu reißen. Die Fotos sind
eingeklebt, wie sie ins Format des Albums passen. Nur die mutigsten
Familienchronisten schneiden einzelne Personen aus dem Bild heraus und
montieren. Oma, Opa, Tante Uschi und die zwei Gören stranden im Bikini und in
Badehose auf dem Domplatz. Sie kaufen im Fotofachgeschäft auf dem Markt
Aufkleber mit Sprechblasen und kleben sie an die Münder. Oder Handschriftlich
direkt aufs Foto. Das verwischt aber auch bald. Für andere ist das Foto heilig.
Wehe wenn ein Fingerabdruck auf dem Hochglanzabzug blitzt. Oder eines plötzlich
gänzlich verschwunden ist.
Fotobuch ist heutzutage sehr beliebt
Der hauseigene Kreative hat es heute besser. Er zieht die digitalen Bilder in
sein Bildbearbeitungsprogramm. Da bastelt er an den Seiten eines Fotobuches.
Zuerst wird das Fotomaterial ausgewählt und dann zusammen gebaut. So entstehen
nette Ausflugsfotos vom Männertag auf denen auf der Straßen hinter dem
Fahrradanhänger mit dem Bierkasten, die Comicmäuse die Flaschen einsammeln. Bei
der nächsten Party werden fünft Stück in die Runde gegeben. Die Entstehung von
Trauben um einen Stuhl herum oder das leidige Warten, bis das eine Exemplar bis
zu einem durchgereicht wird, hat somit ein Ende. Der Preis der Einzigartigkeit
bei einem Fotoalbum hat seinen Preis, Langweile, Langatmigkeit und teilweise
thematische Zusammenhanglosigkeit.
Fotobuch - Die Gestaltung eines solchen Buches bietet mehr Möglichkeiten
Die Seiten seines Fotobuches zu gestalten sind vielfältiger. Ob klassisch, das
heißt vier Bilder auf einer Seite mit nostalgisch offensiv schwarzen Klebeecken
oder zusammen geschnitten und kombiniert wie das Defilé der Promis in einem
Hochglanzmagazin. Oder man arbeitet Rankenelement, so genannte Tribes ein. In
einem Fotobuch kann der Gestaltende mit Schriftzügen eine Menge machen. Nette
Bildunterschriften ersparen später den permanenten Erklärungen des Besitzers.
Und: Liegt das Bildmaterial einmal vor, kann man immer darauf zurückgreifen und
ein Fotobuch unter einem weiteren Thema erstellen. Praktisch, wenn bei der
heutigen Anzahl an Trennungen Fotos zerrissen werden und Gesichter aus der
Erinnerung gelöscht werden sollen. Bei einem
Fotobuch sind die Schritte:
Sichten, also Material ordnen und Thema zusammenstellen beliebig vertauschbare
Arbeitsschritte. Und es entsteht immer wieder ein überraschend anderes
Fotobuch. Und noch einen Vorteil hat das Buch. Die eigene Durchgestaltung
verhindert am Ende leere Seite, weil man keine Fotos mehr hat oder weil für die
nächste Party das nächste Album angefangen wurde. Ein Fotobuch dagegen ist eine
abgeschlossene und runde Sache.